Hi Leute, am Donnerstag war einmal wieder Thanksgiving und damit die Zeit, in der man sich fragt wofür man dankbar ist. Somit ist es eine gute Zeit das letzte Jahr paroli laufen zu lassen. Dieses Jahr ist sehr viel passiert und es gibt für mich sehr viel für das ich dankbar bin. Da ist natürlich dieses unglaubliche bundle of joy, meine kleine Nichte Emma und ich freue mich jede Woche auf Samstag oder Sonntag, wenn ich wieder mit meiner Schwester skypen kann. Meiner Schwester und Anton muss ich dankbar sein, denn sie begeleiten die Kleine auf wundervolle Weise durch ihr erstes Lebensjahr. Meinen Eltern muss ich natürlich Danke sagen, denn sie sind immer für mich da und unterstützen mich, obwohl ich soweit weg von zuhause bin. Ich bin froh, dass ich so viele so gute Freunde habe - nicht nur meine Freunde zuhause in Deutschland, zu denen ich immer wieder zurückkommen kann und es ist fast wie früher. Wir haben hier auch glücklicherweise einige wunderbare Freunde gefunden.
Sicherlich war nicht alles immer rosig dieses Jahr. Ich möchte gerne im nächsten Jahr wieder als Assistenzarzt arbeiten. Um hier in den USA als Arzt tätig sein zu können, muss man die US-amerikanischen Examina nachmachen. Wie das ganze Studium hier, sind diese auch ordentlich teuer. Ich habe dieses Jahr drei Examina absolviert und dafür 3.000 US Dollar hinblättern müssen. Dazu kommt dass man das eine Examen, die praktische Prüfung, nur in 5 Zentren in den USA ablegen kann. Also musste ich nach Philadelphia fliegen und eine Nacht im Hotel verbringen. Die anderen zwei Examina waren 7 und 8 Stunden lange multiple-choice Prüfungen an einem Computer, die ich in einem Testcenter in Boston ablegen konnte. Das andere, etwas unverständliche ist, dass man wochenlang auf das Ergebnis warten muss. Die praktische Prüfung war am 12. Oktober, aber ich bekomme offenbar erst am 5. Dezember bescheid - das sind fast zwei Monate. Natürlich ist mit diesen Prüfungen eine massive Lernarbeit verbunden. Deshalb waren vor Frühling und Sommer von Lernen geprägt. Natürlich bin ich froh und dankbar, dass diese Zeit vorbei ist.
Nach der Prüfung ist vor der Bewerbung und diese ist für die Assistenzärzte, residents genannt, besonders kompliziert. Zunächst einmal ist da der administrative Teil. Man muss jede Menge Dokumente herbeischaffen, Empfehlungsschreiben organisieren und den Lebenslauf polieren. Dann wird das ganze abgegeben, zum Glück geht das alles heutzutage elektronisch, und man muss sich entscheiden für wie viele Assistenzarztstellen man sich bewerben will. Für Absolventen einer nicht-amerikanischen Universität ist es besonders schwierig eine solche Ausbildungsstelle zu bekommen. Entsprechend habe ich mich bei über 80 Krankenhäusern beworben - Kostenpunkt: noch einmal etwa 1600 Dollar. Ingesamt wurde ich bisher zu lediglich 3 Vorstellungsgesprächen eingeladen. Aber egal am Ende brauche ich ja auch nur eine Arbeitsstelle. Schließlich funktioniert das dann so dass jeder Bewerber für die Krankenhäuser, die ihn eingeladen haben eine Rangliste erstellt. Entsprechend erstellen die Krankenhäuser auch eine Rangliste und eine Computer berechnet nach einem bestimmten Algorithmus die beste Kombination - das sogenannte match. Ein Vorstellungsgespräch habe ich noch, am 14. Dezember bevor ich dann über Weihnachten nach hause komme und Mitte März werde ich dann herausfinden, wo ich arbeiten darf. Ich bin trotz allem sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte und ich freue mich sehr nach hause zum kommen.
Vor zwei Tagen war also Thanksgiving und es gab natürlich Truthahn mit Füllung und Cranberry Sauce und Kartoffelbrei und und und...es ist immer sehr viel Essen, aber ich habe es wenigstens geschafft, dass ich mich nicht so elendig voll gefühlt habe. Nächstes Jahr muss ich einmal den sogannenten "Turducken" versuchen. Das ist ein Truthahn gefüllt mit Ente, gefüllt mit Huhn. Na dann, guten Appetit!


