Montag, 25. Oktober 2010

Spätherbst

Also Leutchen, das Wetter spielt schon manchmal verrückt hier. Letzte Woche war es noch arschenkald. Oh entschuldigen Sie meine Wortwahl, das muss natürlich arschkalt heißen und nun gibt es einen Rebound und es ist wieder wärmer. Gestern bin ich wieder in Shorts zur Waschmaschine gelaufen. Dafür muss ich aus dem Haus und durch den Hof, dann 5 Minuten durch den Wald, bei der alten Hexe links halten und dann das Losungswort beim Wäschewächter sagen - dreimal Ariel. Naja, so complicado ist es nicht, aber man muss tatsächlich aus dem Haus heraustreten. Und ja, Mama, ich habe schon wieder gewaschen. Nun ist es das mindestens zweite Mal in vier Monaten. Nein, ich muss mich definitiv bei meiner Mutter bedanken, denn sie (und natürlich dr Babba) haben mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Außerdem wird sie bald 49 Jahre alt.

Am vergangenen Samstag war das Wetter vorzüglich und hat uns allen einen schönen Spätherbsttag beschert. Es war zwar sehr kalt, aber die Sonne hat durchgehend geschienen und wenn man sich wie so ein wechselwarmer Kaltblüter in der Sonne aufhielt war es sehr gut zu ertragen. Wir sind dann nach Cambridge gefahren, denn auf dem Charles River, der Boston unter anderem von Cambridge abgrenzt, fand am Wochenende die Regatta "Head of the Charles" statt. Das ist wohl das zweitgrößte Rennen dieser Art weltweit und in vielen verschiedenen Kategorien treten Athleten aus der ganzen Welt an. Der deutsche Ruderverband war auch vertreten.

Desweiteren habe ich das Wetter und vor allem das Licht genutzt, um ein paar Bilder von den verschiedenen Gebäuden der Harvard University zu machen. Besonders die Türmchen mit den unterschiedlich gefärbten Kuppeln haben es mir angetan.

Und unten schließlich ein Bild vom Harvard Stadium, das 1903 gebaut wurde. Und da dort immer noch die Football Spiele der Harvard Crimson ausgetragen werden, ist es das älteste Universitätsstadion in den USA, das noch in Betrieb ist.

Viva la Revolution

Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit möchte ich einmal die Chance nutzen und meinen lehrenden Pflichten im Bereich der Geschichte nachkommen. Schließlich wohne ich ja im Moment in New England, wo ein ganz wichtiger Teil der amerikanischen Geschichte stattgefunden hat. Wenn man die Ereignisse im Frühjahr 1775 und damit den Beginn des Unabhängigkeitskrieges nacherleben und verstehen möchte, dann muss man gar nicht weit fahren. Genauer gesagt, muss man nach Lexington und Concord in fahren, das ist etwa 30 Minuten von Brookline entfernt. In Concord waren die Waffen der Kolonialisten, also der Amerikaner versteckt und die Briten wollten das Waffenlager zerstören. Als das die Kolonialisten mitbekamen, machten sich zwei Reiter, unter ihnen Paul Revere am 18. April 1775 auf, um die Kolonialisten zu warnen und die Waffen zu sichern.
Als die Briten, die Regulars, morgens in Lexington und Concord ankamen, wussten die Kolonialisten Bescheid und aus den umliegenden Dörfern strömten die Menschen um die Kolonialisten zu unterstützen. Bis zum Nachmittag war die Anzahl der Kolonialisten größer als die 700 Soldaten der britischen Armee. Es entstand ein blutiger Kampf und die Kolonialisten folgten den Briten bis in Hafen von Boston. Auf dieser Brücke wurde der erste britische Soldat getötet, nachdem der erste Kolonialist bereits in Lexington getötet wurde. 

Nach so viel Geschischte noch etwas, um die Nerven zu entspannen - Eishockey. Hier habe ich mir ein Spiel der Boston University angeschaut. Genauso wie Boston College, einer anderen sehr großen Universität in Boston, gehört BU zu den besten Unis für College Hockey. Das Spiel war jedoch nicht so mega aufregend. Als ich zu spät zu meinem Sitz ankam, waren die ersten zwei Tore für BU schon gefallen und das Spiel ging 2:2 aus. Trotzdem war es ein tolles Erlebnis.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Happy Birthday Granny!!!!

Hallo Welt. Eines will ich an diesem Tag natürlich nicht vermissen. Und das ist meiner Oma zum Geburtstag zu gratulieren. Sie wird heute 89 Jahre alt. Ich wünsche alles Gute und weiterhin gute Gesundheit. Natürlich ist das Internet nicht unbedingt ihr bevorzugtes Kommunikationsmedium. Deshalb habe ich ihr natürlich auch angerufen - ich versuche ja ein guter Enkel zu sein.

Fortschritt in der Forschung.

Da sich nun mein vierte Monat in Boston zu Ende neigt und ich kurz vor meinem ersten Heimatbesuch stehe, möchte ich ganz kurz einmal Zwischenbilanz über meine Forschungsarbeit ziehen. Man muss schon sagen, dass es schleppend angefangen hat. Viele Trainings und Lizenzen, die man erwerben muss, um überhaupt im Labor arbeiten zu dürfen. Natürlich hat auch die Tatsache, das meine Proben fast zwei Wochen vom Zoll am New Yorker John F. Kennedy Flughafen festgehalten wurden nicht gerade den Prozess beschleunigt. Aber ich habe kleiner Nebenprojekte begleitet und tue das noch immer und habe so auf diesem Wege das kleine Einmaleins der Molekularbiologie gelernt. Mir wurde gezeigt, wie man mutiert, Bakterien züchtet und natürlich danach um die Ecke bringt, wie man RNA und DNA isoliert aus den verschiedenen Geweben und Materialen. Wie bei jedem Prozess war die Lernkurve steil und man kann mit einmal falsch pipettieren alles kaputt machen, aber ich denke ich habe es ganz gut hinbekommen. Nach Gesprächen mit meinen Kollaboratoren bin ich nun auch mit meinem Hauptprojekt vom RBK aus Stuttgart weitergekommen. Ich habe RNA aus dem Gewebe insoliert und  wir sind jetzt soweit, dass möglicherweise schon morgen wir der Analyse der RNA begonnen werden kann.

Trick or Treat.


Man muss schon sagen, den Herbst nimmt deutlich und zügig Einzug in New England mit unstabilem Wetter, Regen, viel Wind und kühlen Temperaturen. Zwischendrin kommt immer wieder einmal die Sonne durch für ein paar tolle Herbststunden oder manchmal einen ganzen Tag. Am letzten Wochenende gab es am Samstag dann einen solchen Tag. Da meine Mitbewohnerin und ihr Kollege vom Labor, der auch aus Deutschland kommt, die Harbor Islands, also die dem Hafen von Boston vorgelagerten Inseln noch nicht gesehen hatten, sind wir noch einmal dahin gefahren. Wir hatten nicht nur mit dem Wetter Glück, denn es stellte sich heraus, das es letzte Wochenende mit Fährbetrieb vor der Winterpause war. Nach ca. 30 Minuten und kurzem Zwischenstopp auf Spectacle Island kamen wir auf Georges Island an und schauten und Fort Warren an. Ich hatte das zwar schon gesehen, aber die geführte Tour gab interessante Einblicke über das Fort, das vom Bürgerkrieg in den 1860er Jahren bis nach dem zweiten Weltkrieg in Benutzung war. Wieder einmal lieferte die Fährfahrt eine atemberaubende Aussicht auf die Skyline. Atemberaubend war auch der Gegenwind, man musste sich tatsächlich auf die Seite drehen, dass man atmen konnte.

























Am Sonntag haben wir uns Salem angeschaut, das ca. eine halbe Stunde nördlich von Boston liegt. Wie ihr vielleicht wisst, ist die Stadt vor allem wegen seiner Hexenprozesse und konsekutiven Exekutionen der sogenannten Hexen bekannt. Neben vieler Fakten existieren natürlich noch mehr Halb- und Unwahrheiten und so ist Salem zur Welthauptstadt des Halloween geworden, das ja am 31. Oktober (Walpurgisnacht) ansteht.



Wir gingen also dort hin mit großen Erwartungen, etwas mystisches oder schauriges zu sehen und ich muss sagen, das Ganze hat mit schon recht enttäuscht. Wir haben uns das Salem Witch Museum angeschaut, das einen ganz interessanten Einblick über die Prozesse gab. Ansonsten ist die ganze Stadt eine reine TF, eine Touristenfalle und schaurig war vor allem, dass jeder sein eigenes Hexenmuseum aufmacht und dafür eine Menge Grünes, also Dollars, haben möchte.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Chi, Chi,Chi, le, le, le

Endlich passiert einmal etwas Gutes in der Welt. Es musste zwar davor etwas Schlimmes passieren und die Regierung von Chile hat das ganze Spektakel maximal ausgenutzt, aber es ist schön, dass alle gesund aus der Mine herausgekommen sind. Stellt euch einmal vor 69 Tage ohne duschen, richtig Zähne putzen, rasieren, Toilettenbesuch, richtiges Essen und Tageslicht. Damn!

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Wer sich kein Brot kaufen kann, der kaufe doch Hummer.

Von der sehr trockenen Molekularbiologie, widmen wir uns der Propädeutik bzw. eigentlich noch profaneren Dingen, wie der Wochenend-Beschäftigung. Letztes Wochenende hat eigentlich ganz scheußlich angefangen, bzw. die ganze Woche war heiß-schwül-kühl-regnerisch, bis Freitag Abend. Samstag war es dann, als ob der Petrus mal eine Pause gemacht hat, denn es hat den ganzen Tag die Sonne geschienen und es war schönstes Herbstwetter. Das habe ich dann ausgenutzt und bin mit meiner Mitbewohnerin in den Zoo gefahren. Dieser liegt malerisch und umgeben von Golfplätzen im Franklin Park in Boston. Der Zoo ist relativ klein, aber die Habitate der Tiere sind echt super gemacht. Ich denke, da kann sich sogar die Wilhelma noch eine Scheibe von abschneiden.
Am Sonntag war das Wetter dann wieder etwas schlechter, aber wir wollten trotzdem sehen, ob sich die Blätter im Rahmen des berühmten Indian Summer schon gerötet haben. Wir sind als wieder nach Rockport, 50 Meilen nördlich von Boston gefahren und um die Spannung nicht noch länger künstlich hoch zu halten, die Blätter waren echt noch sehr grün. Ansonsten war es am Meer echt windig und kühl, Nachmittags wurde das dann aber wieder etwas schöner und die Sonne kam heraus, so dass Aaron und ich doch noch einmal ins Meer gesprungen sind.
Die Luft war zwar echt kalt, aber das Wasser war gar nicht so übel. Das Licht war wunderschön und wer weiß, wie das aktuelle Schmuddelwetter anhält.

Später sind wir dann in ein Restaurant gegangen, das in meinen Augen das beste ist, in dem ich je in New England gegessen habe. Es heißt Seaport Grille und liegt im malerischen Industriehafen von Gloucester. Na ganz so schlimm ist es nicht und das Wichtigste ist doch das Essen und das ist fabulös. Das Restaurant ist auch sehr schön gemacht und der Service ist gut und das Essen - Leute, da läuft mir das Wasser jetzt noch im Mund zusammen und dabei habe ich gerade Gnocchi mit Pesto gekocht, die ich selbst aus dem Wald von Basilikum gemacht habe, der vor unserem Haus steht. That's right. Ich habe auch einmal gekocht.


Und nun schalten wir zurück nach Gloucester. Bisher war mein Lieblingsessen der Seaport Salmon, das ist Lachs in Tomatensosse und einem Berg an Liguine oder wahlweise Penne. Am Sonntag gab es jedoch Hummer für 14 Dollar inklusive Pommes und Spargel und da ich noch nie Hummer gegessen hatte - zumindest in der hier dargestellten Form, habe ich zugeschlagen. Ich sage euch, das war nicht nur ein kulinarisches Erlebnis. Es fängt schon damit an, dass man ein Lätzchen bekommt, damit man sich nicht die Klamotten bekleckert.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Trockene Materie

Hi Leute. Ich will es aber auch nicht vermissen, von der Laborarbeit von letzter Woche zu berichten. Denn auch wissenschaftlich bin ich einen guten Schritt weitergekommen. Ich habe für alle meine Proben die RNA isoliert. Wie ihr vermutlich wisst, ist die RNA ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Erbinformation. Diese ist natürlich grundsätzlich in DNA festgehalten. Wenn aber neue Proteine produziert werden müssen, werden entsprechende RNA-Moleküle von der DNA abgeschrieben. Man nennt das Transkription. Die RNA wird dann in die entsprechende Aminosäurensequenz des zu entstehenden Proteins umgeschrieben und das nennt man Translation. Nun da wir die RNA isoliert haben, hoffen wir, dass wir einen Einblick über die Gene bekommen, die zum Zeitpunkt, an dem die Proben gewonnen worden sind, hoch- oder herunterreguliert waren. Natürlich enthält jede humane Zelle, die einen Zellkern hat, die gesamte Erbinformation. Aber wiederum verständlich brauchen verschiedene Zellen, je nachdem, was sie für eine Aufgabe haben, unterschiedliche Proteine. Oder es ändern sich die äußeren Umstände oder es liegt beispielsweise eine Entzündung vor. Entsprechend werden verschiedene DNA-Abschnitte, die Gene, besonders oft abgeschrieben, also hochreguliert. Wenn wir nun Gewebe von der gleichen anatomischen Stelle von verschiedenen Patienten haben - also in meinem Fall Gewebe aus dem Bereich des Bauchfells und dann diese Patienten sich in eine Gruppe zusammenfügen lassen, da sie alle gesunde Bauchfelle haben, dann ist zu hoffen, dass man eine ähnliche Genexpression findet. Wenn man weiter diese Genexpression, also einen Überblick der zu einem bestimmten Zeitpunkt in Form von RNA findet, mit einer anderen Patientengruppe vergleicht, beispielsweise der Gruppe die die definierte Erkrankung haben, die wir zu untersuchen versuchen, dann kann man möglicherweise einen Unterschied der Genexpression feststellen. Bleibt festzustellen, ob dies dann einen kausalen Zusammenhang hat, oder nur nur eine Korrelation darstellt.

Montag, 4. Oktober 2010

Gobble, gobble..

Hi Folks, nach schon etwas längerer Zeit melde ich mich einmal wieder. Vorletztes Wochenende habe ich mit meinen Freunden Manu und Steffi verbracht, die mich besuchen kamen. Mit Manu habe ich die Uni besucht und gemeinsam abgeschlossen. Die zwei kamen vor ca. zwei Wochen in die Staaten und haben New York City, Washington, D.C. und die ganzen Neuenglandstaaten besucht.  Dafür haben sie sich einen fetten SUV gemietet. Danke noch einmal für den Besuch. Eine der interessantesten Sachen, die wir gemacht haben, war eine Duck Tour. Das ist eine Stadtrundfahrten und ich muss sagen, dass ich nicht allzu viel von tadtrundfahrten halte, aber diese ist schon etwas Besonderes. Denn man wird in einem authentischen Amphibienfahrzeug vom zweiten Weltkrieg transportiert und man sieht Boston von Land um vom Wasser aus. Und dann habe ich es doch noch geschafft. Meine Housemates haben sie alle schon gesehen und teilweise Bilder gemacht. Und nun wurde mir das Glueck zuteil, einen wilden Truthahn zu sehen. Die gibt's wohl in Boston schon wieder eine ganze Weile. Vorzugsweise findet man diese in Suburbia, also in den Vorstadtbereichen, aber natuerlich sind sie gelegentlich auch in jedem Stadtpark zu finden. In meinem Fall waren es fuenf Stueck und gar nicht klein und die standen an einem Gruenstreifen an einer Hauptverkehrsstrasse. Dieses Bild ist zwar nicht von mir, aber so sahen die aus. Wenn ich ein Truthahn waere wuerde ich jedoch bald abhauen, schliesslich ist im November Thanksgiving, also Erntedankfest und da wird tradittionell Truthahn gegessen.